Lärmschutz auf Baustellen

Baustellen sind unverzichtbar für die Entwicklung unserer Städte und Gemeinden. Sie können jedoch auch eine erhebliche Lärmbelästigung für die Umgebung darstellen. Insbesondere Anwohner können durch den anhaltenden Lärm gestört werden. Um die Auswirkungen von Baustellenlärm zu minimieren, ist es deshalb wichtig, temporären Lärmschutz auf Baustellen einzusetzen.

Hier ein Clip der „heute-show“ als „teure Warnung“, wenn man den notwendigen Schallschutz unterschätzt. Die Kosten für die hohe Lärmschutzwand in diesem Beispiel betragen EUR 7000 pro laufenden Meter.

Was macht auf Baustellen besonders viel Lärm?

Baustellen sind oft von Natur aus laute Umgebungen aufgrund der verschiedenen Aktivitäten, Maschinen und Werkzeuge, die dort eingesetzt werden. Hier sind im Folgenden einige typische Arbeiten, die auf Baustellen besonders laut sind:

  1. Abbrucharbeiten:
    • Das Zerlegen von Gebäuden, das Entfernen von Betonstrukturen und das Brechen von Mauerwerk erzeugen erheblichen Lärm. Der Einsatz von Presslufthämmern, Abbruchbaggern und Betonsägen trägt zu dieser Geräuschkulisse bei.
  2. Erdbewegungen:
    • Das Graben, Schaufeln und Bewegen von Erde mit Baggern, Bulldozern und anderen schweren Maschinen erzeugt laute Geräusche, insbesondere wenn Felsen oder harte Böden durchdrungen werden müssen.
  3. Betonarbeiten:
    • Die Errichtung von Betonstrukturen erfordert oft die Verwendung von Betonverschalungen. Dabei handelt es sich um temporäre Formen z. B. aus Holz oder Schalungen, die den flüssigen Beton während des Gießvorgangs in die gewünschte Form bringen. Der Aufbau, die Anpassung und der Abbau von Betonverschalungen können mit Lärm verbunden sein, insbesondere wenn schwere Schalungselemente verschoben oder fixiert werden. Außerdem führen das Mischen, Gießen und Glätten von Beton zu lautem Maschinenlärm. Betonmischer, Betonpumpen und Vibrationsstampfer sind typische Geräte, die bei solchen Arbeiten eingesetzt werden.
  4. Metallbauarbeiten:
    • Das Schneiden, Schweißen und Biegen von Metall erzeugt hohe Dezibelpegel. Schweißgeräte, Metallsägen, Bohrer, Trennscheiben und andere Werkzeuge werden in diesem Zusammenhang häufig verwendet.
  5. Straßenbau:
    • Der Bau oder die Reparatur von Straßen erfordert oft den Einsatz von Asphaltfräsen, Walzen und Pflastermaschinen, die beträchtlichen Lärm verursachen.
  6. Gleisbau:
    • Der Bau, die Wartung und die Reparatur von Eisenbahngleisen erfordern den Einsatz verschiedener Maschinen wie Schwellenlegern, Gleisstopfern und Schienenkranen. Das Anbringen und Justieren von Schienen sowie das Schütten und Stopfen von Schotter können zu erheblichem Lärm führen.
  7. Installationsarbeiten:
    • Arbeiten im Zusammenhang mit der Installation von Rohrleitungen, elektrischen Leitungen und anderen Versorgungssystemen können ebenfalls laute Geräusche durch den Einsatz von Bohrmaschinen, Schneidwerkzeugen und Schweißgeräten erzeugen.
  8. Hebearbeiten:
    • Das Verwenden von Kranen und Hebezeugen für den Transport schwerer Lasten kann zu lauten Betriebsgeräuschen führen, insbesondere wenn schwere Bauelemente angehoben oder positioniert werden.
  9. LKW-Verkehr:
    • Der Transport von Baumaterialien, Ausrüstungen und Abfällen zu und von der Baustelle erfolgt häufig mit Lastkraftwagen (LKW). Das Be- und Entladen von LKW, der Betrieb von Baustellenfahrzeugen und der allgemeine Verkehr von Nutzfahrzeugen auf und um die Baustelle herum können erheblichen Lärm verursachen.
  10. Generatoren und Stromaggregate:
    • Auf Baustellen werden häufig Generatoren und Stromaggregate eingesetzt, um eine zuverlässige Stromversorgung für elektrische Werkzeuge, Maschinen und Beleuchtung zu gewährleisten. Der Betrieb dieser Generatoren kann zusätzlichen Lärm erzeugen, insbesondere wenn sie in der Nähe von Arbeitsbereichen positioniert sind. Das Dröhnen von Verbrennungsmotoren und der allgemeine Betrieb von Stromerzeugern tragen zu der akustischen Kulisse auf Baustellen bei.
Baulärm durch Abbrucharbeiten
Baulärm durch Abbrucharbeiten

Was gibt es für Lärmschutzmaßnahmen auf Baustellen?

  • Anwohner sind besonders von Baustellenlärm betroffen.
  • Baufirmen tragen eine Verantwortung für den Lärmschutz auf Baustellen – bei Nichteinhaltung der Lärmvorschriften kann eine Baustelle gesperrt werden
  • Lärmreduzierte Baumaschinen können eine effektive Maßnahme zur Lärmminderung sein.
  • Lärmoptimierte Standortwahl von Baumaschinen and anderen Lärmquellen auf der Baustelle
  • Temporäre bzw. mobile Lärmschutzwände, Schallschuzplanen auf Baugerüsten und Einhausungen können den Schall deutlich reduzieren.
  • Begrenzung der Arbeitszeiten kann die Lärmbelastung für die Anwohner reduzieren.
  • Die Lärmschutzanforderungen können in sensitiven Bereichen (wie z. B. Krankenhäusern oder Schulen) sowie bei geplanten Arbeiten nachts oder an Feiertagen höher sein.

Im Zweifel sollten Sie ein Lärmgutachten erstellen lassen, dass die notwendigen Schallschutzmaßnehmen festlegt.

GebietseinstufungTag
(07:00 bis 20:00 Uhr)
in DB(A)
Nacht
(20:00 bis 07:00 Uhr)
in DB(A)
Gebiete mit ausschließlich gewerblichen bzw. industriellen Anlagen oder mit Inhaberwohnungen7070
Gebiete mit vorwiegend gewerblichen Anlagen6550
Gebiete mit weder vorwiegend gewerblichen Anlagen, noch vorwiegend Wohnungen6045
Gebiete mit vorwiegend Wohnungen5540
Gebiete mit ausschliesslich Wohnungen5035
Kurgebiete, Krankenhäuser, Pflegeanstalten4535
Tabelle: Immissionsrichtwerte der AVV Baulärm

Schallquellen im Vergleich

Schallquelle im Vergleich
Schallquelle im Vergleich, Quelle: Bundesministerium für Digitales und Verkehr

Wann stört Anwohner Baustellenlärm besonders?

  • Nichteinhaltung der Mittagsruhe
  • Arbeiten außerhalb der normalen Arbeitszeit (insbesondere früher Beginn des Baulärms)
  • Arbeiten samstags, sonntags und an Feiertagen‘
  • Nachtarbeiten
  • Dauergeräusche von Pumpen oder Generatoren, Ventilatoren etc.
  • Lärmspitzen

„Geräusche im Bereich zwischen 40 und 65 Dezibel (dB) empfinden Menschen in aller Regel als „normal“ laut. Aber schon bei einer Lautstärke von 80 – 85 dB kann unser Gehör dauerhaften Schaden nehmen, so der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte.“

„In wissenschaftlichen Versuchen wurde festgestellt, dass unangenehme Geräusche wie hohes Fiepen, Kreischen oder Schreien vom Gehirn als Alarmsignal verstanden werden. Die in einem Frequenzbereich von 2.000 bis 5.000 Hertz befindlichen Töne aktivieren die Hörrinde bei einer potenziellen Gefahr.“

Was können Anwohner tun, wenn eine Baustelle zu laut ist?

„Haben unmittelbar Betroffene einer Baustelle den Verdacht, dass diese zu laut ist, können sich die Betroffenen an die zuständige untere Immissionsschutzbehörde wenden. Diese prüft dann, ob die so genannten „Eingreif-Richtwerte“ der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Schutz gegen Baulärm (AVV Baulärm) überschritten werden. Ist dies der Fall, können durch die untere Immissionsschutzbehörde geeignete Maßnahmen zur Begrenzung des Baulärms angeordnet werden. Wird dieser Anordnung durch den Bauherrn wiederholt und hartnäckig nicht nachgekommen, kann nach Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg vom 5. Februar 2015 in einem solchen Fall der Betrieb der Baustelle vorläufig untersagt werden.“ (Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg, Baustellenlärm)

Lärmreduzierte Baumaschinen einsetzen

Besonders laute Baumaschinen sind z. B.:

  • Bagger, Radlader
  • Presslufthammer
  • Innenrüttler, Rüttelplatten, Vibrationsstampfer, Flaschenrüttler
  • Betonpumpen
  • Dieselmotorgetriebene Betonmischer
  • (Kreis-)Sägen und Bohrer, Trennscheiben, Bohrgeräte
  • Abbruchgeräte, z. B. Kettenbagger mit Spitzmeißel
  • Schlagramme

Eine Möglichkeit, den Lärm auf Baustellen zu reduzieren, besteht darin, lärmmindernde Baumaschinen zu verwenden. Diese Maschinen sind speziell entwickelt, um den Lärmpegel zu senken, indem sie Geräuschdämpfer, schalldämmende Gehäuse und andere Technologien einsetzen. Beispiele für lärmmindernde Baumaschinen sind:

  • Bagger mit hydraulischen Dämpfern
  • Betonmischer mit schalldämmenden Gehäusen
  • Asphaltfertiger mit Geräuschdämpfern

Schallschutzwände und Schallschutzeinhausungen

Lärmschutzwände, Schallschutzplanen auf Baugerüsten und Einhausungen können dazu beitragen, den Lärm von Baustellen erheblich zu reduzieren. Gerade in dicht besiedelten Gebieten können Baustellen eine erhebliche Lärmbelästigung für die Anwohner, aber auch für Krankenhäuser, Schulen etc,, darstellen. Daher ist es wichtig, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um den Lärm zu minimieren.

Mobile Schallschutzwände

Mobile Schallschutzwände sind eine beliebte Möglichkeit, den Lärm von Baustellen zu reduzieren. Sie können als temporäre oder mehrjährige Barrieren eingesetzt werden, um den Schall zu absorbieren oder zu reflektieren. Lärmschutzwände bestehen aus schalldämmenden Materialien und können in verschiedenen Größen und Formen hergestellt werden, um den spezifischen Anforderungen einer Baustelle gerecht zu werden. Lärmschutzwände sind auch kosteneffektiv und können dazu beitragen, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Anwohner zu verbessern. Da sie den Schall absorbieren oder reflektieren, können Lärmschutzwände den Lärmpegel auf der Baustelle erheblich reduzieren.

Die flexible Standardlösung sind Lärmschutzmatten auf Bauzäunen, die allerdings nur eine Höhe von ca. 2 m erreichen. Die Vorteile von mobilen Lärmschutzwänden sind vielfältig: Sie sind einfach zu installieren und können problemlos an verschiedenen Orten eingesetzt werden.
Hierbei ist auf eine sturmsichere Verankerung der Bauzäune z. B. mit Erdnägeln, Zusatzstützen und Zusatzgewichten zu achten. Dies gilt insbesondere z. B. auch in der Nähe von Bahngleisen, z. B. wo Hochgeschwindigkeitszüge verkehren oder in der Nähe von Schulen. Ein weiterer Faktor, der bei der Auswahl von mobilen Lärmschutzwänden wichtig sein kann, ist die Brandschutzklasse. Die normalen Lärmschutzmatten für den Außenbereich sind üblicherweise brennbar, es gibt aber auch schwer entflammbare Varianten.

Lärmschutz auf Baustellen
mobiler Schallschutz für Bauzäune mieten

Bei höheren Lärmschutzanforderungen oder auch bei einer stärkeren gewünschten Schutzfunktion (z. B. falls historische Gebäudeteile geschützt werden sollen) sind feste temporäre Schallschutzwände, z. B. aus Stahl und Steinwolle, zu empfehlen. Hier kann die Höhe bis zu 6 m betragen.

Feste temporäre Schallschutzwand bis zu 6 m hoch

Schallschutzplanen auf Baugerüsten

Eine weitere Möglichkeit, den Lärm von Baustellen zu reduzieren, besteht darin, Lärmschutzplanen auf Baugerüsten zu verwenden. Diese Planen werden an den Gerüsten angebracht und dienen als physische Barriere zwischen der Baustelle und der Umgebung. Lärmschutzplanen bestehen aus schalldämmenden Materialien und können auch dazu beitragen, den Staub und die Schmutzpartikel zu reduzieren, die von der Baustelle aufgewirbelt werden.

Die Vorteile von Lärmschutzplanen sind ähnlich wie die von Lärmschutzwänden. Sie sind einfach zu installieren und können schnell an verschiedenen Orten eingesetzt werden. Lärmschutzplanen sind auch kosteneffektiv und können dazu beitragen, den Lärmpegel auf der Baustelle zu reduzieren.

Durch die Kombination von Baugerüsten und Schallschutzplanen oder Lärmschutzmatten lassen sich auch temporäre Schallschutzwände höher als 6 m errichten. Im Markt gibt es auch Baugerüstlösungen für die Überdachung von ganzen Baustellen.

Schallshutzplanen für Baugerüste mieten
Schallschutzplanen für Baugerüste mieten

Schallschutzeinhausungen

Eine weitere Möglichkeit, den Lärm von Baustellen zu reduzieren, besteht darin, Einhausungen für den Schallschutz zu verwenden. Einhausungen sind geschlossene Strukturen aus Schallschutzplanen, die um den Lärm erzeugenden Teil der Baustelle herum gebaut werden. Sie sind in der Regel aus schalldämmenden Materialien hergestellt und können dazu beitragen, den Schall innerhalb der Einhausung zu halten.

Beispielweise können bei Abbrucharbeiten die Lärmschutzgrenzen ggf. nur mit kompletten Einhausungen mit Schallschutzplatzplanen erreicht werden. Eine Einhausung hilft auch die Baustaubbelastung für die umliegenden Bereiche zu begrenzen (z. B. wenn Reinräume oder Hygienebereiche im Umfeld liegen).

Ein weitere Einsatzmöglichkeit von individuellen Einhausungen nach Maß kann es sein, einzelne lärmerzeugende Aggregate und Generatoren komplett einzuhausen bzw. einzukapseln, d. h. insbesondere auch nach oben komplett abzuschirmen. Hierbei muss u. a. Be- und Entlüftung (z. B. von Abgasen) sowie Wärmeabfuhr berücksichtigt werden. Es gibt auch mobile Lärmschutzkabinen und mobile Arbeitszelte / Montagezelte mit integriertem Lärmschutz auf Rädern.

Die Vorteile von Einhausungen sind, dass sie eine sehr effektive Möglichkeit sind, um den Lärm auf Baustellen zu reduzieren. Da sie den Schall innerhalb der Einhausung halten, können sie den Lärmpegel auf der Baustelle erheblich reduzieren. Einhausungen sind jedoch auch die teuerste Option und erfordern eine längere Vorbereitungszeit.

Schallschutz-Einhausung für Baustellen mieten
Schallschutz-Einhausung für Baustellen mieten

Weiteführende Links zum Thema Lärmschutz auf Baustellen

Maßnahmen zur Minderung des Baulärms (Fachtechnische Hinweise für Anordnungen nach Nummer 4.1)